CONTEMPORARY ART
Das Gemälde ist im Lauf der Kunstgeschichte immer präsent - von der mittelalterlichen Altartafel bis zu den monochromen Gemälden des 20. Jahrhunderts. Verstärkt ab der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts hat sich das bildnerische Gestalten jedoch weitgehend von den traditionellen Maltechniken (Tempera-, Öl- oder Gouachemalerei) gelöst und besonders in der Objektkunst eine große Vielfalt an Materialien und Techniken hervorgebracht. Die Künstler experimentieren mit neuen Werkstoffen (z.B. synthetische Bindemittel), verwenden aber auch ungewöhnliche Materialien, wie z.B. Lebensmittel, oder gefundene Objekte (Mischtechniken).
Viele dieser Materialien und Materialkombinationen weisen im Gegensatz zu den historisch überlieferten, langzeitbewährten Maltechniken, eine relativ schlechte “Haltbarkeit“ auf und erfordern daher häufig ein frühes Eingreifen des Restaurators.
Insbesondere bei dieser Vielfalt an Materialien ist eine individuelle Herangehensweisen bezüglich dem Umgang und der Pflege erforderlich. Aufgrund der experimentellen Materialkombinationen müssen oft neue Bearbeitungsmethoden für deren Erhalt gefunden werden.
Um die Komplexität der unterschiedlichen Herangehensweisen zu erläutern, können einige Beispiele aus der Praxis genannt werden.
Einige Künstler haben z.B. Malweisen entwickelt, bei denen perfekte, monochrome Oberflächen entstehen. Alterungserscheinungen wie Brüche in der Malschicht (Craquelé) oder Handlingspuren (Fingerabdrücke), können die Wirkung dieser Malerei, wie sie vom Künstler beabsichtigt ist, bereits komplett zerstören. Selbst Staub würde von dieser Perfektion ablenken und muß daher entfernt werden.
Ist jedoch die Vergänglichkeit eines Kunstwerkes beabsichtigt, ist Oberflächenschmutz vermutlich gewollt und sollte belassen werden. Auch alterungstypische Veränderunge, wie der Verfall von Eat-Art Objekten kann bis zur Schimmelentstehung und Auflösung des Objekts provoziert sein und darf daher nicht verhindert werden.
Neben der Findung der optimalen Bearbeitungsmethoden gibt es eine weitere Schwierigkeit im Umgang mit zeitgenössischer Kunst. Es ist die Vielfalt der jeweiligen Wirkungsabsichten, der Intention. Bevor der Restaurator das Kunstwerk bearbeitet, muss ihm die Intention bewusst sein, da sie ganz unterschiedliche Maßnahmen erfordern kann.
Um diesen oft komplexen Bedingungen fachlich kompetent zu begegnen, zieht der behandelnde Restaurator neben seinem eigenen Fachwissen bei Bedarf Experten zu Rate und versucht im Gespräch mit dem Künstler die Intention des Kunstwerkes zu hinterfragen. Dieses ergänzende Spezialwissen führt er dann zu einem Gesamtkonzept zusammen.